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Pflegegrad · Lesezeit 7 Min. · Stand: Oktober 2026

Pflegegrad beantragen in Solingen: Schritt für Schritt zum Bescheid

Ohne Pflegegrad gibt es keine Leistungen der Pflegekasse, auch keinen Entlastungsbetrag. Der Antrag ist einfacher, als viele denken. Wir erklären, wie Sie ihn stellen, wie die Begutachtung abläuft, welche Punkte zu welchem Pflegegrad führen und was Sie tun können, wenn der Bescheid zu niedrig ausfällt.

Das Wichtigste in Kürze

Formlos bei der Pflegekasse

Ein Anruf oder ein kurzer Brief an die Pflegekasse genügt. Leistungen gelten ab dem Monat der Antragstellung, deshalb nicht warten.

Begutachtung zu Hause

Der Medizinische Dienst prüft sechs Lebensbereiche und vergibt Punkte. Ab 12,5 Punkten gibt es Pflegegrad 1, ab 27 Punkten Pflegegrad 2.

Bescheid in 25 Arbeitstagen

So lange darf die Kasse höchstens brauchen. Gegen einen zu niedrigen Bescheid können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

Wer kann einen Pflegegrad beantragen?

Jeder, der gesetzlich oder privat pflegeversichert ist und voraussichtlich für mindestens sechs Monate im Alltag auf Hilfe angewiesen ist. Das Alter spielt keine Rolle, auch Kinder können einen Pflegegrad bekommen. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern wie selbstständig jemand seinen Alltag noch bewältigt. Auch Demenz, psychische Erkrankungen oder Behinderungen zählen.
Den Antrag stellt die pflegebedürftige Person selbst oder eine bevollmächtigte Person, zum Beispiel ein Angehöriger. Zuständig ist die Pflegekasse, die bei Ihrer Krankenkasse angesiedelt ist.

Schritt 1: Antrag bei der Pflegekasse stellen

Ein Anruf bei der Pflegekasse oder ein formloser Brief mit dem Satz „Ich beantrage Leistungen der Pflegeversicherung“ reicht aus. Die Kasse schickt Ihnen anschließend ein Formular zu. Wichtig: Leistungen werden ab dem Monat gezahlt, in dem der Antrag eingeht. Jeder Monat Zögern kostet Geld.
Notieren Sie das Datum des Anrufs. Bei einer Höherstufung, also wenn der Hilfebedarf gestiegen ist, läuft es genauso: Sie beantragen eine erneute Begutachtung.

Schritt 2: Pflegetagebuch führen und Unterlagen sammeln

Bis zur Begutachtung vergehen meist zwei bis vier Wochen. Nutzen Sie diese Zeit, um ein bis zwei Wochen lang aufzuschreiben, wobei täglich Hilfe nötig ist: beim Waschen, Anziehen, Essen, Treppensteigen, bei Medikamenten, Arztterminen, im Haushalt oder bei der Orientierung. Legen Sie Arztberichte, Medikamentenpläne und Hilfsmittelverordnungen bereit.
Dieses Tagebuch ist Gold wert. Gutachter sehen nur eine Momentaufnahme, Sie kennen den Alltag. Gerade an „guten Tagen“ wirken Menschen selbstständiger, als sie es im Durchschnitt sind.

Schritt 3: Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst

Für gesetzlich Versicherte in Solingen kommt der Medizinische Dienst Nordrhein zu Ihnen nach Hause, bei Privatversicherten Medicproof. Der Termin dauert etwa eine Stunde. Eine Vertrauensperson sollte dabei sein. Der Gutachter bewertet sechs Lebensbereiche, die unterschiedlich stark gewichtet werden:
  1. Mobilität (10 %): Aufstehen, Umsetzen, Treppensteigen, Fortbewegen in der Wohnung
  2. Geistige und kommunikative Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (zusammen 15 %): Orientierung, Gespräche, Unruhe, Ängste
  3. Selbstversorgung (40 %): Waschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilettengang
  4. Umgang mit Krankheit und Therapie (20 %): Medikamente, Verbandswechsel, Arztbesuche
  5. Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte (15 %): Tagesablauf, Beschäftigung, Kontakte pflegen
Schildern Sie ehrlich den normalen Alltag, nicht den besten Tag. Lassen Sie den Gutachter Hilfen sehen, statt alles vorher wegzuräumen. Haushaltsführung fließt übrigens nicht in die Punkte ein, wohl aber in die Beratung zu Hilfen.

Welche Punkte ergeben welchen Pflegegrad?

  • Pflegegrad 1: 12,5 bis unter 27 Punkte, geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 2: 27 bis unter 47,5 Punkte, erhebliche Beeinträchtigung
  • Pflegegrad 3: 47,5 bis unter 70 Punkte, schwere Beeinträchtigung
  • Pflegegrad 4: 70 bis unter 90 Punkte, schwerste Beeinträchtigung
  • Pflegegrad 5: 90 bis 100 Punkte, schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen

Schritt 4: Bescheid prüfen, bei Bedarf Widerspruch einlegen

Die Pflegekasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang entscheiden. Fordern Sie das vollständige Gutachten an, es wird Ihnen auf Wunsch automatisch zugeschickt. Vergleichen Sie die Punkte mit Ihrem Pflegetagebuch.
Fällt der Bescheid zu niedrig aus, können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Ein Satz genügt zunächst, die Begründung kann nachgereicht werden. Viele Widersprüche haben Erfolg, oft nach einer zweiten Begutachtung, vor allem wenn das Pflegetagebuch den tatsächlichen Alltag belegt.

So unterstützt Helfende Engel beim Pflegegrad

Wir helfen Ihnen beim Erstantrag und bei der Höherstufung, bereiten mit Ihnen den Besuch des Medizinischen Dienstes vor und unterstützen beim Formulieren eines Widerspruchs. Das ist praktische Hilfe aus Erfahrung, keine Rechtsberatung und keine Garantie für ein bestimmtes Ergebnis. Sobald der Pflegegrad da ist, können Sie den Entlastungsbetrag direkt für unsere Alltagsbegleitung nutzen.

Gut zu wissen

Bereits anerkannte Pflegegrade genießen laut Bundesgesundheitsministerium Bestandsschutz, auch wenn die Pflegereform 2027 die Begutachtung verändert. Wer heute einen Antrag stellt, sichert sich seine Ansprüche nach aktuellem Recht.
Stand: Oktober 2026. Rechtsgrundlagen: §§ 14, 15, 18 SGB XI. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung. Verbindliche Auskünfte erteilt Ihre Pflegekasse, kostenlose Pflegeberatung bietet auch die Pflegeberatung der Stadt Solingen.
Kostenlose Vorlagen zum Ausdrucken

Pflegetagebuch und Checkliste für die Begutachtung

Pflegetagebuch für 14 Tage

Wochenbögen für alle sechs Begutachtungsbereiche plus Zusammenfassung für den Gutachter. PDF, 4 Seiten.

Checkliste Begutachtung

Antrag, Unterlagen, der Tag der Begutachtung und der Widerspruch zum Abhaken. PDF, 2 Seiten.

Alle Vorlagen und Checklisten

Pflegebudget 2026, Checkliste für Kinder, Checkliste Erstgespräch: alle PDFs auf der Ratgeber-Übersicht.

Häufige Fragen zum Pflegegrad-Antrag

Wie lange dauert es vom Antrag bis zum Bescheid?

Muss ich für den Antrag zum Arzt?

Kann ich einen Pflegegrad für meine Eltern beantragen?

Was kostet die Hilfe von Helfende Engel beim Antrag?

Unsicher, ob ein Pflegegrad drin ist?

Wir schauen uns Ihre Situation an, helfen beim Antrag und bereiten mit Ihnen die Begutachtung vor. Kostenlos und unverbindlich, in Solingen und Umgebung.

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